Die Sitze des Europäischen Parlaments

Der Sitz des Europaparlaments befindet sich in Straßburg. Die zwölf Sitzungswochen (viertägig) im Jahr finden im Europäischen Parlamentsgebäude von Straßburg statt. Darüber hinaus tagen die verschiedenen Ausschüsse (zum Beispiel Landwirtschaftsausschuss) und Fraktionen in Brüssel, wo es auch sechsmal jöhrlich zu kurzen Planersitzungen kommt. Der Sitz des Generalsekreteriats befindet sich in einer dritten Stadt, in Luxemburg.

Der Grund für die verschiedenen Sitzungsorte ist in der Geschichte des Europaparlaments anzutreffen. Als 1952 die EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl), ein Vorgänger der Europäischen Union, gegründet wurde, setzte man als Sitz Straßburg fest. Verschiedene Institutionen der EGKS waren jedoch bereits in Luxemburg. 1957 wurden die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) und Euratom (Europäische Atomgemeinschaft) mit Sitz in Brüssel gegründet. Als es 1965 schließlich zur Fusion dieser Gemeinschaften kam, bildete sich die EG (Europäische Gemeinschaft) mit den drei Sitzungsorten Straßburg, Luxemburg und Brüssel.

Selbst die Abgeordneten des Europaparlaments finden diesen Umstand lästig. Der Sitz Straßburg geriet mehrmals in die Debatte und sollte nach dem Willen einiger Volksvertreter aufgelöst werden, sodass das Parlament gänzlich nach Brüssel verlegt werden könne. Begründet wurde dies zumeist durch die jährlichen Kosten von rund 200 Mio. Euro für den Standort Straßburg. Da nach bisherigem Recht jedes Mitgliedsland bei Vertragsänderungen ihre Einwilligung abgeben muss, gelang es wegen dem Widerstand Frankreichs bisher nicht, Straßburg als Sitzungsort zu schließen.